Exklusive Einblicke in die DTM Welt von DEKRA

DEKRA gewährt Ihnen mit dem Interview von Motorsport-Koordinator Wolfgang Dammert ein Einblick in die DTM-Welt von DEKRA.

Der Motorsport-Koordinator bei DEKRA, Wolfgang Dammert, sorgt zusammen mit einem Team aus fünf weiteren Kollegen für die Sicherheit in der DTM. Im DEKRA Interview spricht Dammert nicht nur über den Aufwand bei einem DTM-Rennen, sondern erklärt auch die Unterschiede zwischen einem Event in Deutschland und einem Gastspiel im Ausland. Zudem verrät er, ob er sich auch um die Sicherheit seiner privaten Autos kümmert.

Worin bestehen Ihre Aufgaben an einem DTM-Wochenende? Wann reisen Sie an, wann haben Sie am Sonntag nach dem Rennen Feierabend?
Meine Anreise ist üblicherweise am Donnerstag, und am Montag reise ich ab. Die DEKRA Kollegen aus Klettwitz sind generell von Freitag bis Sonntag im Einsatz. Im Ausland werden die Reisedaten dementsprechend angepasst. Die Aufgaben unseres Teams sind sehr vielschichtig. Zum Beispiel verlosen und überwachen wir die fahrerbezogenen Reifenkontingente - Slick Standard, Option Reifen oder Regenreifen - überprüfen die Bremsen- und Motorenverplombung, vermessen die Fahrzeuge mit unserem 3D-Messarm und 3D-Scanner, wiegen die DTM-Fahrzeuge, nehmen Kraftstoff- und Reifenproben und analysieren unter anderem die Aufzeichnungen der so genannten Incident Cam. Das sind aber bei weitem nicht alle Aufgaben. Hinzu kommen Überprüfungen auf Anweisung der Sportkommissare und des Renndirektors sowie genauere Überprüfungen bei Verdacht auf Unregelmäßigkeiten. Dazu kann es immer kommen, wenn uns etwas bei der Analyse der Fahrzeugdaten auffällt. Dann wird es für uns besonders spannend.

Wie bekommen Sie das ganze Material zu einem DTM-Rennen?
Seit 2014 wird fast die komplette Ausrüstung mit einem DEKRA Auflieger transportiert. Der Auflieger dient gleichzeitig als Büro für das Personal der Technischen Abnahme. Dieser Truck ist dann zwischen den Rennen beim Hersteller des Aufliegers untergestellt. Beim Rennen in Moskau hatten wir keinen Auflieger dabei und uns auch beim Umfang des Materials etwas eingeschränkt.

Gibt es für Sie weitere Unterschiede zwischen einem Rennen in Hockenheim und einem Auslandsrennen in Budapest oder Moskau?
Budapest war ein ganz normales Rennen wie Hockenheim und Spielberg auch. Bis auf die Tatsache, dass die Anreise etwas länger gedauert hat, gab es keine Unterschiede zu anderen Rennen. Moskau unterscheidet sich schon allein durch die sehr umfangreichen Zollformalitäten von den anderen Veranstaltungsorten. Außerdem sind die Verkehrsverhältnisse rund um Moskau nicht mit anderen Rennstrecken zu vergleichen. Für 70 km zum Hotel kann man etwa 3 Stunden einrechnen.

In dieser Saison war ursprünglich Ende September ein Rennen in China geplant, das nun durch Zandvoort ersetzt wird. Wie war es 2010 in Schanghai?
Es kommt immer darauf an, wie man vom lokalen Veranstalter unterstützt wird – bei den Zollformalitäten und zum Beispiel der Visabeantragung. Logistisch ist China schon wesentlich anspruchsvoller als ein Rennen in Europa. Rein technisch gibt es keine Unterschiede, ob man in Europa oder in China fährt. Das Technische Reglement der DTM ändert sich dadurch nicht. Trotzdem sind Auswärtsrennen immer etwas Besonderes.

Müssen Sie eigentlich oft an einem DTM-Rennwochenende improvisieren oder klappt immer alles nach Plan?
Was wir beeinflussen können, wird selbstverständlich so gut wie möglich vorausgeplant. Die Erfahrung von insgesamt 15 Jahren Einsatz in der DTM hilft dabei schon ein wenig. Die Ausrüstung überprüfen wir zu Beginn der Saison und diese wird dann wenn nötig auch repariert oder ausgetauscht. Das Verbrauchsmaterial bei den Rennen ist immer in ausreichender Menge auf Lager und für die wichtigsten Geräte, wie unsere Waage und auch Notebooks, gibt es immer Ersatzgeräte. Dennoch gibt es immer wieder einmal Unwägbarkeiten, auf die man mit Improvisation und Flexibilität reagieren muss. Die Anzahl der Improvisationen pro Wochenende hält sich jedoch im niedrigen einstelligen Bereich.

Wie viel Platz steht Ihnen bei einem Rennen in der Box und im Fahrerlager zur Verfügung?
Wir haben mindestens eine Box am Beginn der Boxengasse, in der wir unsere Messplatte mit Waage aufbauen. An manchen Rennstrecken haben wir zwei Boxen, so dass wir parallel wiegen und messen können. Im Fahrerlager gibt es dann noch einen Platz für unseren DEKRA Auflieger. Meist steht dieser in unmittelbarer Nähe zum Parc fermé.

Wie viele Tage im Jahr sind Sie für DEKRA in der DTM auf Reisen?
Ich bin bei 10 Veranstaltungen mindestens 45 Tage unterwegs. Hinzu kommen Überprüfungen wie Grundabnahmen, Nachprüfungen, Homologation oder Ventilspielkontrollen bei den Herstellern und Teams, sowie Sitzungen von DTM-Gremien.

Prüfen Sie Ihr eigenes Auto selbst auch in puncto Sicherheit oder lassen Sie checken?
Selbstverständlich sorge ich dafür, dass die Fahrzeuge meiner Familie sicher sind. Die Hauptuntersuchung bei DEKRA ist dabei ein sehr wesentlicher, aber nicht der einzige Teil dieser Überprüfung.

Kommt es vor, dass DTM-Fahrer direkt auf Sie zukommen und das persönliche Gespräch suchen?
Das ist eher selten der Fall, da die Fahrer an der Rennstrecke neben ihrer Hauptaufgabe auch sehr viele Termine wahrnehmen müssen. Selbstverständlich begegnet man sich in den Boxen und hat auch manchmal kurz Zeit für mehr als nur ein "Hallo wie geht’s".

Gibt es an den DTM-Fahrzeugen Komponenten, die nur einmal vor einer Saison gecheckt werden?
Vor der Saison findet eine so genannte Grundabnahme statt, bei der der Technische Delegierte Christian Schmidt mit einem der Technischen Kommissare von DEKRA einen Hersteller besucht und ein für die neue Saison aufgebautes Fahrzeug begutachtet. Diese Grundabnahme dient jedoch ausschließlich der Orientierung, was der jeweilige Hersteller im Rahmen der Möglichkeiten, die ihm das Technische Reglement bietet, im Vergleich zum Vorjahr geändert hat. Sollte es dabei zu Abweichungen kommen, hat der Hersteller die Möglichkeit, diese zu ändern. Ein Freibrief dafür, dass alle Teile am Fahrzeug den Bestimmungen entsprechen, ist diese Begutachtung jedoch nicht. Eine Gesamtabnahme eines derart komplexen Rennfahrzeuges würde mehrere Tage in Anspruch nehmen.

Während der Saison werden dann neben den Routineüberprüfungen immer wieder schwerpunktmäßig Bauteile und Baugruppen herausgegriffen und näher betrachtet. Mal ist es das Getriebe, mal die Bremsen oder das Fahrwerk mit Stoßdämpfer, für die wir einen eigenen Teststand in unserem Auflieger mitführen. Leistungsrelevante Bauteile und Komponenten werden selbstverständlich öfter überprüft.

Inwiefern unterscheidet sich eine technische Abnahme eines DTM-Autos von einer Abnahme eines gewöhnlichen PKW für den Straßenverkehr?
Zunächst gibt es die große Gemeinsamkeit der Sicherheit, um sicher im Straßenverkehr oder auf der Rennstrecke unterwegs zu sein. Unterschiede gibt es aber auch hier: Während im Straßenverkehr die Schutzeinrichtungen für die Fahrerin oder den Fahrer fahrzeugseitig verbaut sind, hat der Rennfahrer auch eine persönliche Schutzausrüstung mit Helm, Kopfrückhaltevorrichtung und flammhemmender Kleidung. Im Motorsport kommen außerdem jede Menge wettbewerbsrelevanter Aspekte hinzu, die im Technischen Reglement dokumentiert sind. Im Straßenverkehr findet man derartige Regelungen natürlich nicht. Zwei Beispiele: Wenn in der DTM ein Einheitsstoßdämpfer vorgeschrieben ist, dann ist dieser auch zu verwenden. Im Privatfahrzeug können Sie jeden für den Fahrzeugtyp geeigneten Stoßdämpfer eines beliebigen Herstellers verwenden. Während in der DTM der Kraftstoff vorgeschrieben ist, können Sie für Ihr Privatfahrzeug Kraftstoff eines beliebigen Herstellers verwenden und, wenn Sie es für notwendig erachten, auch Zusatzstoffe aus dem Zubehörhandel hinzufügen.

Was ist das Bauteil in einem DTM-Auto, das die größte Sorgfalt beim Sicherheitscheck benötigt?
Jedes sicherheitsrelevante Bauteil in einem Fahrzeug, ob Straßenverkehr oder Motorsport, bedarf gleicher Sorgfalt bei der Überprüfung. Nur so wird gewährleistet, dass es seiner Schutzfunktion nachkommen kann. Den größten Aufwand für ein Bauteil hinsichtlich der Überprüfung im Rahmen des Sicherheitskonzepts, das ab 2012 in der DTM eingeführt wurde, benötigte man für das Monocoque mit Überrollvorrichtung. Diese beiden Komponenten wurden bei DEKRA einer ganzen Reihe von statischen und dynamischen Tests unterzogen, um den Fahrern bestmögliche Sicherheit zu bieten.

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