Sicher ist sicher: DEKRA sorgt für die Technische Abnahme bei der DTM

Die DTM ist nicht ohne Grund die populärste internationale Tourenwagenserie der Welt: Nirgendwo sonst wird den Zuschauern derart hochklassiger, technisch anspruchsvoller und sportlich fairer Motorsport geboten. Um bei diesem sportlichen Wettkampf stets das Maximum an Sicherheit zu gewährleisten, ist DEKRA an jedem Rennwochenende für die Technische Abnahme der Fahrzeuge zuständig.

Im Auftrag des Deutschen Motor Sport Bundes (DMSB) schickt Europas größte Sachverständigenorganisation bis zu sechs Spezialisten an die Rennstrecken. Neben Wolfgang Dammert, Koordinator Motorsport DEKRA Automobil GmbH, und Volker Noeske, Leiter DEKRA Automobil Testcenter (DATC) sind permanent drei weitere Mitarbeiter des DATC mit von der Partie. Bei einigen Veranstaltungen stößt zudem ein Motorenexperte des DATC zum DEKRA Team. Gemeinsam mit den Helfern des jeweiligen Veranstalters überwacht das Team Rennwochenende für Rennwochenende die Einhaltung des technischen Reglements der DTM.

Los geht es immer bereits am Donnerstag vor einem Rennwochenende. Noch bevor der erste Tourenwagen aus der Boxengasse rollt, steht die Grundabnahme aller zum Rennen gemeldeten Fahrzeuge auf dem Programm. "Die Fahrzeuge werden ja von den Teams nach jedem Rennwochenende komplett zerlegt und wieder neu aufgebaut. Deshalb ist es wichtig, vor jedem Rennwochenende alle sicherheitsrelevanten Aspekte der Autos, also beispielsweise die Sicherheitsgurte und die Feuerlöscher, zu prüfen", sagt Dammert.

Darüber hinaus ist das DEKRA Team als unabhängige Instanz donnerstags für die Verteilung der neuen Reifen an die derzeit 22 DTM-Piloten zuständig. Reifenlieferant Hankook bildet hierzu 22 Reifenstapel, bestehend aus sechs bzw. sieben neuen Reifensätzen, die den Fahrern pro Rennwochenende gestellt werden. Hinzu kommen vier bzw. drei Reifensätze, die jeder Pilot aus dem vorangegangenen Rennwochenende mitbringt. Somit stehen jedem Fahrer insgesamt 40 Slick-Reifen pro Wochenende zur Verfügung. Damit kein Pilot bei der Verteilung der Reifen bevorzugt werden kann, weist die DEKRA Mannschaft die Reifensätze per Losverfahren den einzelnen Fahrern zu.

Weiter geht es am Freitag: Während die Piloten die ersten Runden auf der Rennstrecke drehen, kommt auch das Team um Dammert und Noeske richtig auf Touren. Beim Rollout und während des ersten Freien Trainings überprüft das DEKRA Team bei den Rennfahrzeugen stichprobenartig, ob das Technische Reglement eingehalten wird. Darüber hinaus wird gecheckt, ob in den DTM-Autos die richtigen Motoren eingebaut sind, denn jedes Team darf pro Saison nur insgesamt drei Motoren in seinen beiden Fahrzeugen einsetzen. Außerdem kontrollieren die Spezialisten von DEKRA, ob die Fahrer auch wirklich exakt jene Reifen benutzen, die ihnen tags zuvor zugeteilt wurden.

Dass die DEKRA Fachleute nicht nur kontrollieren, sondern den DTM-Teams auch mit Rat und Tat zur Seite stehen, zeigt sich spätestens am Freitagabend. Denn möchte ein Team eines seiner Fahrzeuge noch einmal ganz genau vermessen, so ist das DEKRA Team mit seinem dreidimensionalen Messarm zur Stelle und steht den Rennteams eine ganze Stunde zur Verfügung.

Am Samstag beginnt die heiße Phase eines DTM-Wochenendes. Im Laufe des zweiten Freien Trainings am Vormittag werden nach und nach alle 22 Autos gewogen. Das schnelle und präzise Wiegen der Fahrzeuge ist sowohl für die Rennteams als auch für die Kontrolleure von DEKRA eine willkommene Übungseinheit. Schließlich erhalten die Teams somit ein aufschlussreiches Feedback darüber, ob sie mit der Berechnung der Fahrzeuggewichte samt Fahrer richtig gelegen haben. Und das DEKRA Team probt mit seinen zahlreichen Helfern schon einmal den Ernstfall für die Qualifikation, die am Samstagnachmittag auf dem Programm steht.

In der Qualifikation zählt jede Sekunde

Spätestens im Qualifying zählt jede Sekunde. Nicht nur für die Fahrer, sondern auch für DEKRA Kontrolleure. Denn samstags werden nach dem dritten Qualifikationsabschnitt ("Q3") die Top Ten des Klassements gewogen.

Im Anschluss an die Qualifikation haben die DEKRA Mitarbeiter alle Hände voll zu tun. In der Boxengarage der Technischen Abnahme werden bei den vier erstplatzierten Fahrzeugen Kraftstoffproben entnommen, um sie mit dem vorgeschriebenen Einheitsbenzin zu vergleichen. Außerdem müssen alle vier Autos auf die Waage. Währenddessen bereitet ein Zweierteam den dreidimensionalen Messarm vor. Der Datenspezialist liest die umfangreichen Datensätze aus dem Aufzeichnungssystem der DTM-Autos aus und kann zusätzlich Videoaufnahmen aus dem Qualifying ansehen, die von der so genannten "Incident Cam" im Innenraum der Fahrzeuge aufgezeichnet wurden. Der Motorenexperte befasst sich mit den Motordaten der Autos und der Reifenverantwortliche liest die Daten der Lesegeräte der technischen Helfer aus, die alle benutzten Reifen überprüft haben.



Neben diesen Routinekontrollen kann der Technische Delegierte des DMSB in enger Abstimmung mit den Technischen Kommissaren von DEKRA jedes Auto einer Nachprüfung unterziehen. "Alles, was im Technischen Reglement steht, kann und darf von uns im Laufe eines Rennwochenendes überprüft werden. Das kann von A wie Ansauganlage bis Z wie Zündung gehen", erklärt Dammert. "Es wird natürlich nicht immer alles überprüft. Denn ansonsten wären wir wahrscheinlich noch in der Sommerpause damit beschäftigt, die Autos vom Saisonauftakt in Hockenheim durchzuchecken. Deshalb definieren wir bei unseren Kontrollen Schwerpunkte: das kann mal das Getriebe sein, oder das Differential, der Querlenker, die Bremse, der Luftmengenbegrenzer - eben alles, was im Regelwerk beschrieben ist."

Ähnlich sieht das Prüfprogramm sonntags nach dem Rennen aus, wobei dann bei den ersten Drei das Gewicht obligatorisch überprüft wird. "Zudem können wir durch das Auslesen der Datenaufzeichnungen gewisse Rückschlüsse auf die Einhaltung des Reglements ziehen. Eine in den Regeln verbotene Traktionskontrolle würde sich, wenn sie auch Vorteile bringen soll, in den Aufzeichnungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nachweisen lassen", sagt Dammert. "Das Gleiche gilt bei Regelverstößen auf der Strecke. Manchmal fordern der Renndirektor oder die Sportkommissare Daten an, weil nach einer strittigen Situation im Rennen die Beteiligten manchmal widersprüchliche Aussagen machen, wenn sie zu dem Vorfall befragt werden. Da können die Datenaufzeichnungen zur Klärung des Falls beitragen. Hier mutet unser Job ab und zu ein wenig wie Detektivarbeit an, wobei das eher die Ausnahme ist."

Die Kontrollen des DEKRA Teams beschränken sich allerdings nicht nur auf die "inneren Werte" der Rennfahrzeuge. Bei den hochmodernen Tourenwagen der DTM spielt schließlich auch die Aerodynamik eine entscheidende Rolle, so dass die Prüfer von DEKRA mittels eines dreidimensionalen Messarms samt Scanner auch die Außenhautdaten der Boliden genau untersuchen können.

"Von jedem der drei Hersteller sind die kompletten CAD-Daten, also die exakte Form der Außenhaut der Fahrzeuge, beim Deutschen Motor Sport Bund hinterlegt", erklärt Dammert. "Wir spielen diese Daten in unser Messsystem ein und gleichen diese dann jeweils mit dem aktuell untersuchten Fahrzeug ab. Im Fall einer Abweichung wird zunächst diskutiert, warum es dazu gekommen ist. So könnte das Auto beispielsweise während des Wertungslaufs von einem Konkurrenten berührt worden sein. Oder aber es stellt sich heraus, dass das Fahrzeug tatsächlich nicht dem Reglement entspricht."
 
Letzteres wäre ein Fall für die Sportkommissare, die dann entscheiden müssen, wie mit dem nicht regelkonformen Fahrzeug zu verfahren ist. Droht ein Ausschluss aus der Wertung? Oder muss der Betroffene mit einer Bestrafung beim nächsten Rennen rechnen? Dammert ist froh, dass sich das DEKRA Team darüber nicht den Kopf zerbrechen muss: "Die Aufgabe der Technische Kommissare beschränkt sich im Motorsport auf das Feststellen von technischen Sachverhalten. Im Falle einer Abweichung vom Reglement wird ein Bericht an die Rennleitung bzw. die Sportkommissare geschickt - in der DTM ist hierfür der Technische Delegierte des DMSB zuständig."

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