Hülkenberg: "Wir haben oft die Chance, es krachen zu lassen"

Vor dem Großen Preis von Deutschland erzählt Nico Hülkenberg exklusiv im DEKRA Spezial, wie die Formel-1-Saison aus seiner Sicht bislang verlaufen ist. Der Deutsche gibt außerdem einen Einblick in sein Privatleben.

Der von DEKRA gesponserte Formel-1-Fahrer Nico Hülkenberg hat in dieser Saison bislang in allen neun Saisonrennen gepunktet. Im DEKRA Interview spricht "Hülk" nicht nur über seine sportlichen Höhepunkte in der bisherigen Saison, sondern gewährt bei Fragen zu seiner Freundin Laura und zu seinem Geburtsort Emmerich Einblicke in sein Privatleben. Außerdem erklärt er die Herkunft seines angsteinflößenden Spitznamens und verrät, wie bei ihm ein Formel-1-freier Tag aussieht.

Wie ist die Saison bislang aus Ihrer Sicht verlaufen?
Ich denke, die Saison ist bisher ganz gut gelaufen. In neun Rennen neun Mal in die Punkte zu fahren, kann sich sehen lassen. Es ist sicher eine Leistung, auf die wir stolz sein können. Natürlich wächst gleichzeitig, wenn es so gut läuft, auch der Anspruch. Diesem konnten wir bisher aber gerecht werden. Es ist nun ein Entwicklungsrennen der Teams, wer sein Auto schnell weiterbringen kann. Da befinden wir uns nun mitten im Kampf und versuchen natürlich den Anschluss zu halten und so weiter zu machen, wie wir es in den letzten neun Rennen gemacht haben. Der Große Preis von Deutschland ist nun der nächste wichtige Schritt.

Was war in dieser Saison Ihr persönlicher Höhepunkt?
Mein persönlicher Höhepunkt war sicherlich Monaco, dort Fünfter zu werden war definitiv eine coole Sache. Auch wie es dazu gekommen ist. Es war bemerkenswert, dass ich die beiden McLaren unter anderem mit Ex-Weltmeister Jenson Button trotz alter, stark abbauender Reifen hinter mir halten konnte. Das war eine richtig gute Leistung. Generell ist Monaco eine tolle Strecke, und dort ein gutes Ergebnis einzufahren, macht immer ganz besonderen Spaß.

Sie wechselten nach der Saison 2013 das Team, zurück von Sauber zu Force India, wo sie schon bis Ende 2012 gefahren sind. Sehen Sie den Wechsel nach wie vor als die richtige Entscheidung an?
Ich denke schon. Wenn man sich die Performance zwischen den Teams ansieht, hab ich da auf jeden Fall die richtige Entscheidung getroffen. Zudem kann ich nur sagen, dass ich mich sehr wohlfühle bei Force India. Das ganze Team hat eine super Moral und wir sind alle richtig motiviert, deswegen freuen wir uns natürlich auf die restlichen Rennen der Saison.

DEKRA ist seit dem Beginn Ihrer Karriere ein treuer Begleiter. Wie würden Sie die Partnerschaft beschreiben?
Die Zusammenarbeit ist schon fast einzigartig. Wir sind jetzt im zehnten Jahr zusammen und DEKRA hat mich schon sehr früh unterstützt. Diese Unterstützung bekam ich auch in Jahren, in denen ich kein Cockpit in der Formel 1 hatte und nur Ersatzfahrer war. Mittlerweile ist eine tiefe, vertrauensvolle Partnerschaft entstanden, und ich hoffe auf viele weitere schöne Jahre mit DEKRA.

In der Formel 1 geht es um immer mehr Geld, folglich steigt auch der Druck auf die Fahrer. Denken Sie eigentlich manchmal daran, dass Sie durch ein gutes Abschneiden nicht nur Punkte für die Meisterschaft sammeln, sondern auch Gründe für einen Verbleib in der Formel 1?
Natürlich ist die Formel 1 sehr leistungsorientiert. Man muss immer seine Leistung bringen, ansonsten wird man schnell in Frage gestellt und kritisiert. Als Fahrer ist man komplett transparent für sein Team, alles wird aufgezeichnet, alles kann nachvollzogen und gesehen werden. Das ist aber eine Sache, die nun mal im Motorsport existiert. Damit bin ich groß geworden und damit muss man einfach klarkommen.

Als Formel-1-Fahrer werden Sie öfters auf Feiern und große Events eingeladen. Beneiden Sie ab und zu diejenigen, die es auf solchen Veranstaltungen richtig krachen lassen können?
Wir haben oft die Chance, es krachen zu lassen. Natürlich nicht freitags oder samstags an einem Rennwochenende, aber trotzdem gibt es für uns die Möglichkeit. Es ist also nicht so, dass man als Formel-1-Fahrer irgendetwas verpasst.

Wenn man sich Fahrer wie Lewis Hamilton, Jenson Button oder auch Adrian Sutil anschaut, dann sieht man oft auch ihre Freundinnen an der Rennstrecke. Wie schaffen Sie es, Ihre Freundin Laura aus der Öffentlichkeit fernzuhalten?
Was heißt fernhalten? Es ist mein Job, an Wochenenden Rennen zu fahren und dazu gehört natürlich auch eine gewisse Ruhe und Konzentration. Meine Freundin kommt schon ein paar Mal im Jahr mit zu den Rennen. Sie steht ja selbst mitten im Berufsleben und da ist es für sie nicht immer möglich, dabei zu sein.

Ihre Eltern besitzen eine Speditionsfirma in Emmerich, wo Sie auch den Beruf Speditionskaufmann erlernt haben. Wie oft sind Sie im Jahr in Ihrer Heimat oder sogar im Betrieb Ihrer Eltern?
Wie oft ich im Jahr nach Emmerich komme, kann man wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Ich versuche aber natürlich zu großen Anlässen wie Weihnachten oder Geburtstagen dort zu sein. Emmerich ist aber definitiv nicht mehr mein Lebensmittelpunkt.

Nach dem Rennen in Ungarn am 27. August gibt es in der Formel 1 eine fast einmonatige Sommerpause. Wie verbringen Sie die diese freie Zeit? Beschreiben Sie uns doch einmal einen ganz normalen „faulen“ Tag von Nico Hülkenberg.
Ein ganz normaler „fauler“ Tag heißt bei mir lange schlafen, danach erst mal ausgiebig frühstücken, dann kurz die Nachrichten checken und im Internet surfen. Danach ein Stündchen laufen und später vielleicht auf der Couch einen Film schauen oder mit Freunden in der Stadt treffen, um zusammen zu essen oder ins Kino zu gehen – eigentlich ganz normale Dinge.

Sie werden in den Medien in Anspielung an die Comicfigur „Hulk“ häufig „Hülk“ genannt. Spitznamen sind im Sport relativ weit verbreitet. Nervt Sie das eigentlich oder gefällt Ihnen dieser Spitzname?
Eine südafrikanische Zeitung titelte einmal in der A1GP-Serie „The incredible Hulk“. Im Deutschen hat sich dann "Hülk" und im Englischen "Hulk" eingebürgert. Der Name stört mich gar nicht, er gefällt mir eigentlich sehr gut.

Sie kommen als Formel-1-Fahrer viel rum und haben schon viele unterschiedliche Orte auf der Welt gesehen. Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Wo würden Sie am liebsten leben?
Das ist schwierig. Es gibt wirklich viele coole Länder, in die wir reisen. Aber ich habe natürlich noch nicht die ganze Welt erkundet. Von allen Plätzen, die ich bisher gesehen habe, gefällt mir Sydney am besten. Die Stadt und die Umgebung finde ich schön, ich fühle mich dort immer sehr wohl und verbringe gerne auch mal ein paar Tage dort vor dem Saisonauftakt in Melbourne.

Sie haben sich vor der Saison für die Startnummer 27 entschieden, die vor allem mit dem legendären Gilles Villeneuve in Verbindung gebracht wird. Warum gerade diese Zahl?
Ich konnte ursprünglich drei Wunsch-Startnummern angeben. Die Startnummer 27 war eine davon, die mir dann auch zugeteilt wurde. Die Nummer 27 setzt sich aus den addierten Zahlen meines Geburtsdatums zusammen (19.08., Anm. d. Red.). An Gilles Villeneuve hatte ich dabei gar nicht gedacht.

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